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Verein geborener Hamburger e. V.
Vun düt un dat un allerwat ut Hamborg
Nr. 6, November/Dezember 1996

Jürgen W. Scheutzow schreibt über eine improvisierte Vorläufer-Teiledition des Spazziergängers:

ALTONA ANNO 1803

Hans-Werner Engels, vom ZA 1994 mit dem Portugaleser »Bürger danken« ausgezeichnet, hat sich einmal mehr um Hamburg und Altona verdient gemacht, indem er uns einen Blick zurück auf die Stadt um 1800 werfen läßt: Heinrich Würzers Werk »Charakteristisch-topographische Fragmente über die Stadt Altona (1803)«, von Engels in einem kenntnisreichen, akribisch die Quellen und die Hinweise auf den Verfasser untersuchenden Nachwort kommentiert, erschien im Stein/Engels-Verlag als Neuausgabe (Hünfeld/Hamburg 1996) und ist nicht allein informativ, sondern auch mit großem Vergnügen zu lesen. Würzers individuelle Wertung von Zuständen, Begebenheiten und Persönlichkeiten gibt dem in »Fragmenten« dargestellten Stoff so etwas wie rote Bäckchen, die man im Stil historisch-wissenschaftlicher Darstellungen – als Zeichen lebendiger Stofferfassung – zumeist vermißt und läßt z.B. im Zusammenhang mit dem Altonaer Lotto ein Zitat erblühen, das stellvertretend für die Behandlung der zahlreichen kurzen Themata stehen kann:

    Das Schicksal gab der Orient
    Die Pest, partheiisch war es nie –
    Es gab daher dem Occident
    Die Zahlenlotterie.

»Demohngeachtet«, fährt Würzer fort und belegt damit, daß ihn auch lokalpatriotische volkswirtschaftliche Gedanken bewegen, »was man dagegen und mit Recht sagen kann, wäre es jetzt nicht merkantilisch genug gehandelt, das Lotto hier aufzuheben, da das benachbarte Hamburg die Hauptquelle seiner Nahrung geworden ist.«

Ein zweites Zitat sei gestattet, das zu einer Zeit forcierter Emanzipation der Damenwelt beeindruckend und im »Vierten Spaziergang in und um Altona« zu finden ist:

    Die Männer kleiden sich war in Altona eben so reinlich und dabei so einfach, wie in Hamburg, welches auch sehr natürlich ist, da in Ansehung der Börsengeschäfte besonders, beide Oerter so gut wie eine Stadt ausmachen; aber die Weiber im Gegentheil, die weniger zusammenkommen, scheinen, in ihren Kleidungen besonders, einige Verschiedenheit auszumachen. Ich sage das bloß von der mittlern Bürgerklasse, die, wenn sie gepuzt erscheinet, sich in Ansehung ihrer Kopftrage und übrigen Kleidungsstükke von den Hamburger Bürgerinnen auszeichnet. Eben so ist es auch in häuslichen Sitten und Gewohnheiten; ob aber in Ansehung des weiblichen Karakters der Unterschied wischen beiden Städten so bedeutend sey, als viele Hamburgerinnen behaupten wollen, mag ich nicht geradezu behaupten. Man will nehmlich daß die Altonaer sich mehr um wirtschaftliche Einrichtung ihrer Nachbarinnen bekümmerten, und überhaupt in diesem Stükke sich kleinstädtischer als die Hamburger zeigen.

Der Rezensent würde sich freuen, mit diesem kurzen Hinweis Ihr Interesse an diesem in Computerdruck und im A4-Querformat (Satz, Druck und Bindung: Stiftung VOTIS Software Museum, 36088 Hünfeld, Großenbacher Straße 4; Vertrieb ebendort) hergestellten 54seitigen Werk geweckt zu haben. Sie können, wie das Impressum vermerkt, den Druck als »unverkäufliches Produkt« erwerben; »angeforderte Exemplare können unfrei per Post zugesendet werden«, heißt es, und nähere Auskünfte gibt Ihnen Leopold Stein (Tel. 06652/5700), wenn Sie darum ersuchen.



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