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Alt-Altona. Ein Spazziergänger in Altona, Seite 106

Kleines Personen-Lexikon zum
Spazziergänger in Altona
von Heinrich Würzer

Zusammengestellt von
Hans-Werner Engels und Robert Wohlleben

[Zum Teil weichen Namensschreibungen bei Würzer von den ermittelten Angaben ab; ggf. wird die Würzersche Schreibung in eckigen Klammer dazugesetzt.]

Adler, Georg Christian (* 6.5.1724 Alt-Brandenburg, † 2.11.1804 Altona). Kirchenpropst und Hauptpastor in Altona, Gymnasiarch und Scholarch, wurde 1755 Prediger auf der Insel Arnis und 1758 zu Sarau im Holsteinischen, kam 1759 als zweiter Kompastor nach Altona, wo er 1765 zum ersten Kompastor und 1792 zum Probst aufrückte.
Adler, Jacob Georg Christian (* 8.12.1756 Arnis, † 22. 8. 1834 Giekau). Generalsuperintendent. Besuch des Christianeums in Altona, Theologiestudium in Kiel. Ab 1783 Professor für syrische Sprache in Kopenhagen angestellt. 1792 Generalsuperintendent für Schleswig und Oberkonsistoralrat. »In den 1773 wieder vereinigten Herzogtümern waren im Kirchen- und Schulwesen zwei große Aufgaben zu bewältigen: die Einführung einer neuen [...] Agende und die ebenfalls schon lange anstehende Schulreform [...]. Die Arbeit für diese beiden Ziele hat das Leben und Wirken des Generalsuperintendenten in vier Jahrzehnten ausgefüllt.« (BLSH 6)
Amsinck. Gastwirt in Bahrenfeld.
Baur, Georg Friedrich (* 23.11.1768 Altona, † 14.3.1865 Altona). Sohn sehr reicher Eltern. 1783–86 am Christianeum. Nach Jura-Studium in Göttingen und Kiel glänzende Karriere als Kaufmann im Geld- und Warenhandel. »Berühmt wurden B.s Park und seine umfangreiche Bautätigkeit, in denen er Reichtum und Kunstsinn bewies. In den Jahren 1802 bis 1817 erwarb er in Blankenese 11 Grundstücke am nördlichen Elbuferhang, aus denen J. Ramée von 1817 bis 1832 einen großen romantischen Park gestaltete mit Tempeln, Waldhütten, einem chinesischen Pagodenturm und einem Kanonenberg, von dem aus die elbaufwärts kommenden eigenen Schiffe mit Böllerschüssen begrüßt wurden.« (BLSH 5)
Bechtold, Friedrich. Associé in Vollmers Verlagsbuchhandlung.
Becker, Alexander Christian. Englischer Hofagent. Sein Besitz war ein Beispiel englischer Landschaftgartengestaltung. Auf dem Gelände entstanden 1824 die sog. »zehn neuen Baurschen Häuser.«
Blacker, John. Englischer Kaufmann. »Mitglied des englischen Court«, einer »seit 1567 bzw. 1611 bestehenden Niederlassung und Interessenvertretung reicher englischer Kaufleute mit großen Zollprivilegien, die erst im Jahre 1806 mit der französischen Invasion unter Napoleon ihr Ende fand« (Hoffmann, Altona). Vorbesitzer des 1793 von Georg Heinrich Sieveking erworbenen Besitztums in Neumühlen. Ließ sich in Blankenese vom Baumeister Christian Friedrich Hansen ein Herrenhaus erbauen, in einem Park im englischen Stil gelegen. Später im Besitz des Hamburger Großkaufmanns Goßler (deshalb heute Goßlers Park). Das nach einem Brand neu errichtete Herrenhaus diente später als Blankeneser Rathaus.
Böhl, Johann Friedrich (1739–1819). Der Hamburger Kaufmann erwarb 1797 den Landsitz an der Elbe. »Dieser entstammte einer Familie, deren Mitglieder als Handelsherren, Gutsbesitzer, hohe Regierungsbeamt in Hamburg, Berlin, Mecklenburg, München u.a. sich auszeichneten. (Hoffmann, Elbchaussee)
Bolten, Johann Adrian (* 11.9.1742 Süderstapel in Schleswig, † 11.8.1807 Altona). Doktor der Philosophie. Seit 1791 erster Kompastor an der lutherischen Hauptkirche, Scholarch, wurde 1772 Prediger zu Wöhrden in Süderdithmarschen, 1782 zweiter und 1792 erster Kompastor zu Altona, eifriger Schriftsteller, u. a. Mitarbeiter der Zeitschrift »Hamburg und Altona«.
Carl von Hessen, Landgraf zu Hessen-Kassel (* 19.12.1744, † 17.8.1836 Schleswig). Seit 1768 Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein, seit 1774 Dänischer Feldmarschall; er spielte in der Freimaurerei seiner Zeit eine führende Rolle. »Rastlos studierte er ein System nach dem andern; er war Philaleth, Rosenkreuzer, Asiatischer Bruder. Von allen Seiten beschaffte er sich ›Akten‹, die ihm für seine fieberhafte alchimistische Tätigkeit Nutzen versprach.« Würzer verteidigte ihn 1801 gegen Angriffe des Hamburger Publizisten von Heß. Nach Aussagen des Freimaurers Schröder hatte er den Freund Würzers, .... Israel, unterstüzt.
Christian VI. (* 30.11.1699, † 6.8.1746). Dänischer König, regierte von 1730 bis 1746.
Christian VII. (* 29.1.1749, † 13.3.1808 Rendsburg). Dänischer König, regierte von 1766 bis 1808. Überließ 1769 Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff, dem Klopstock-Förderer, die Regierung, ab 1770 Johann Friedrich Graf von Struensee (im Zuge der Palastrevolution 28.4.1772 hingerichtet).
Degetau, Hinrich Christian. »Auberge, Mühlenstr. no 46 b. d. Palm«. (Addresbuch)
Ewald, Johann Ludwig (* 16.9.1747 Hayn bei Offenbach, † 19.3.1822 Karlsruhe). Kirchenmann und Schriftsteller. Mit Goethe befreundet. Gab u.a. von 1794–86 die Monatsschrift »Urania für Kopf und Herz« heraus. Seine »Fantasien auf einer Reise durch Gegenden des Friedens«, eine bedeutende Reisebeschreibung über Hamburg, erschienen 1799 in Hannover.
Exter, Johann Gottfried von (* 1734). Führender Hamburger Freimaurer. Arzt. U. a. Großmeister der »Grossen Loge Gottfried zu den sieben Sternen«.
Feldmann, Masius Johann (* 20.2.1762 Wilster, † 8.8.1823 Altona). Seit 1789 Professor und Konrektor am Christianeum zu Altona, Mitglied der Winkelloge »Einigkeit und Toleranz«.
Francke [Frank], Johann Bernhard. Kaffeehausbetreiber. »Palmaille, no 432 süder Seite«. (Addresuch)
Friedrich III. (* 18.3.1609, † 19.2.1670). Dänischer König, regierte von 1648 bis 1670.
Friedrich VI. (* 28.1.1768, † 3.12.1839). Der Kronprinz entmachtete 1784 seinen »schwachsinnigen« Vater, Christian VII., und übernahm als dessen Mitregent die Regierung. Von 1808 bis 1839 regierte er als König.
Funk, Nikolaus (* 13.5.1767 Westerdeich/Ksp. Marne, † 17.1.1857 Altona). 1786–89 Theologiestudium in Kiel. 1790 Adjunkt in Ottensen, 1791 2. Kompastor an der lutherischen Hauptkirche in Altona. 1809 zum 1. Compastor bestellt, ab im 1840 Ruhestand. Mitgründer und Erster Vorsitzender des »Altonaer Museums«. »In F. begegnen wir einer typischen Gestalt des rationalistischen Theologen gemäßigter Richtung [...]. Seine besondere Hingabe galt dem [...] Schulwesen, der Armen- und Waisenfürsorge. [...] Er war ein bewußter Bürger des dänischen Gesamtstaates und ein treuer Anhänger der regierenden Dynastie; er war ein Lobredner der dänischen Neutralität in den Napoleonischen Wirren.« 1815 gab er die »Altonaer Bibel« mit seinen Anmerkungen heraus – die Regierung zog die Ausgabe zurück; Funk veröffentlichte 1823 eine Darstellung der Vorgänge. Publikationen auch über das Waisen-, Schul- und Arbeitshaus in Altona (1803) sowie zur »Verbindung des Schulwesens mit Industrieschulen« (1804).Mitarbeiter der Zeitschrift »Hamburg und Altona« – 1810 Ritter des Danebrogordens, 1826 vom dänischen König mit der goldenen Verdienstmedaille geehrt. (BLSH)
Gabain, George Gaspard Matthieu († 17.12.1815). Von 1781-1815 Pastor der französisch reformierten Gemeinde in Altona.
Gerstenberg Heinrich Wilhelm von (* 3.1.1737 Tondern, † 1.11.1823 Altona). Trat 1760 in den dänischen Heeresdienst und wurde bedeutender Dichter des Sturm und Drang. Er schrieb u. a. die Tragödie »Ugolino« (Hamburg 1768). Zog 1786 nach Altona, wo er von 1789–1812 Mitlied der Justizdirektion des königlichen Lottos war.
Godeffroy, Johann Cesar IV (* 1742 Hamburg, † 1818). Bruder von Peter. Begründete die spätere Weltfirma J. C. Godeffroy & Sohn. Den Dockenhudener Besitz mit dem späteren Hirschpark erwarb er 1786. 1789–1792 erbaute C. F. Hansen das breitgelagerte Landhaus.
Godeffroy, Peter (* 1749, † 1822). Begründete die Handelsfirma Peter Godeffroy Söhne & Co. Erwarb 1789 den am Elbhang gelegenen Landsitz und ließ sich hier von C. F. Hansen 1790/91 ein Landhaus erbauen.
Grünbein. Gastwirt in Bahrenfeld.
Guyot, Pierre Benoit. Abbé und französischer Emigrant. Hatte von 1798 bis 1803 eine Erziehungsinstitut für Knaben in der Großen Freiheit 48.
Hammerich, Johann Friedrich (* 7. 7 1763 Quern in Angeln, † 16. 10.1827 Altona). Über Hammerichs Druckerei: »Das Unternehmen hatte für die norddeutsche Klassik etwa dieselbe Bedeutung, die Cotta für Süd- und Mitteldeutschland gewann. Von Klopstock bis Gerstenberg und Johann Heinrich Voß bis zu Ernst Moritz Arndt reicht die stolze Reihe der Veröffentlichungen dieses Verlages« (Hoffmann). In seinem Verlag erschien u. a. Würzers radikale Zeitschrift »Das historisdche Journal« (1794). Aus dem Unternehmen ging später der Springerverlag hervor.
Hanker [Hanke], Garlieb. (*1758-1807) Hamburger Senatorensohn, Studium in Göttingen und Gießen, Rechtsanwalt in Hamburg, Schriftsteller, baute 1799 ein Haus an der heutigen Elbchaussee, 1904 abgebrochen. »Im Volksmund hieß dieses alte Haus das ›Gespensterhaus‹, weil es darin umgehen sollte. Personen, die nachts daran vorübergingen, hörten, obwohl im Hause alles dunkel war, daraus Rasseln und Stöhnen hervordringen, und eilten, daß sie vorbeikamen.« (Hoffmann, Elbchaussee)
Hansen, Christian Friedrich (* 28.2.1756 Kopenhagen, † 10.6.1845). 1788 Landbaumeister in Holstein; nach Kopenhagen berufen, um die durch das Bombardement der Engländer (1801) zerstörten öffentlichen Gebäude wieder aufzuführen. »Ausschlaggebend für das berühmte Erscheinungsbild der Palmaille als klassizistische Prachtstraße wurden die Neubauten um 1800, die Christian Frederik Hansen für Altonaer Bürger errichtete, Muster einer neuen, aufgeklärten Wohnweise mit komfortablen Raumprogrammen hinter klassizistischen Fassaden.« (Hipp)
Hirsch, Zwi. Aus Polen gebürtig. Zunächst Rabbiner in Groß-Glogau, seit 1802 Oberrabbiner in Altona.
Köller-Banner, Georg Ludwig von (1728–1811). Wurde 1756 Kapitän-Oberst in einem hessischen Regiment und kam 1760 an den dänischen Hof. Einer der Hauptgegner von Struensee in der dänischen Palastrevolution von 1772. Kaufte sich 1776 in Ottensen einen Landsitz, den späteren Besitz Rainvilles.
Köster, Hinrich Jürgen. Hamburger Auktionarius. Erwarb 1794 den Besitz, der nach ihm Kösterberg genannt wurde.
Lang, Friedrich Karl (* 27.10.1766 Heilbronn, † 17.5. 1822 Wackerbarthsruhe in der Lößnitz). Alias u. a. August Lindemann und Hirschmann. Nach Jura-Studium in Tübingen als Advokat und später kurzzeitig Ratsherr in Heilbronn, 1798 wegen Bankrott geflohen. Unter falschen Namen u. a. in Altona, wo er mit dem Geld gutgläubiger und kulturbeflissener Bürger durchbrannte. Er lebte dann in Berlin und Leipzig, dort Tätigkeit als Buchhändler und Promotion. Betrieb ab 1810 in Tharandt eine Erziehungsanstalt, 1816 nach Wackerbarthsruh verlegt.
Lawaetz, Johann Daniel (1750–1826). Aus Rendsburg stammender Altonaer Kaufmann »von vielseitigen wirtschaftlichen, kommunalpolitischen und künstlerischen Interessen. Er wurde u. a. Mitglied der Oberrevision der Speziesbank, Vizepräsident der Patriotischen Gesellschaft und zeichnete sich durch Förderung des Armenwesens aus. Als Klopstock begraben wurde, führte er von der Altonaer Grenze an den Leichenzug zum Klopstockgrab, neben dessen Ruhestätte er später an der Wand der Ottenser Kirche begraben ward« Kaufte sich 1793 bei Neumühlen an und errichtete dort mehrere bedeutende Industriebetriebe. – Sein Bruder Heinrich Wilhelm Lawaetz (1748–1825) hing den Grundsätzen der französischen Revolution an. Ihm ist das Zustandekommen des 1799 gegründeten Altonaischen Unterstützungsinstituts zu danken. Ziel dieses Unternehmens war, »Bedürftige vor dem gänzlichen Verfall zu schützen, strebsamen Mitgliedern im Handwerk oder in sonstigen Geschäftsbetrieben durch Vorschüsse das Fortkommen zu erleichtern, angehenden Künstlern und Studierenden helfend zur Seite zu treten, dadurch ihr Selbstvertrauen zu stärken und sie zu eigener Tätigkeit anzuspornen«. (Hoffmann)
Lehmkul. Mühlenbesitzer.
Lindemann, Dr. – siehe Lang, Friedrich Karl.
Linnich, Hermann junior. Erwarb als 24jähriger Landbesitz, den sein Vater Hermann senior ihm wieder abnahm und dort ein stattliches Landhaus erbaute; seit 1803 wurde auf dem Besitz eine Kaffee- und Gartenwirtschaft betrieben. Die reiche Altonaer Mennonitenfamilie Linnich war in Schifffahrt (u. a. Grönlandfahrt) und Handel tätig.
Martens. Mühlenbesitzer.
Merkel, Garlieb Helwig (* 21.10.1769 Lodiger in Livland, † 27.4.1850 Depkinshof bei Riga). Medizinstudium in Leipzig und Jena, danach in Kopenhagen Sekretär des dänischen Ministers Schimmelmann, dann schriftstellerisch in Berlin tätig. 1806 Flucht vor den Franzosen nach Livland, dort Mitarbeit an Kotzebues »Freimüthigem«. 1801 veröffentlichte er »Briefe über Hamburg und Lübek«, auf die Würzer eingeht.
Milon de Mesne, Fortunat Jean Marie Marquis. Französischer Emigrant. Kaufte 1798 mit anderen Franzosen »Schlaafs Hof«, 1802 alleiniger Besitzer. 1806 verkaufte er den Besitz. Der »Slavenhoff« wurde bald durch M.s Verwaltung, die vorzügliche Küche und seine überaus schöne Lage berühmt.
Möller Johann Nikolaus. Altonaer Baumeister. Baute das Landhaus des Altonaer Kaufmanns und Brauherrn Herman de Voß.
Mutzenbecher, Ludwig Samuel Dietrich (*5.11.1766 Bordeaux, † 1838 Altona). Medizinstudium in Kiel, ab 1790 in Altona als Arzt, wo er seit 1800 die Stellung des Postmeisters innehatte. Als 1814 durch den Krieg eine Fleckfieberepidemie ausbrach, gehörte er zu den helfenden Ärzten. Im Alter gründete er einen »musikalischen Dilettanten-Verein« und initiierte den Bau einer Tonhalle.
Pflock, Christoph. Gastwirt und Weinhändler am Altonaer Rathausmarkt no 78. 1792 wurde in Altona ein Jakobinerklub gegründet, dessen Mitglieder und Sympathisanten in seiner Auberge verkehrt haben dürften.
Rainville, César Lubin Claude (1767–1845). Ehemaliger Adjutant des französischen Generals Charles François Dumouriez. Kam als Emigrant nach Altona; erlangte mit seinem 1799 begründeten, bis 1867 bestehenden vornehmen Garten-Etablissement Weltruf. Beigesetzt in den Katakomben der St. Joseph-Kirche, Große Freiheit).
Reichard. Seinerzeit Gastwirt an der heutigen Elbchaussee.
Reventlow, Christian Detlev Graf von (21.6.1671–1738). Kaiserlicher und dänischer General, Anfang des 18. Jahhunderts dänischer Premierminister. 1713–1732 Oberpräsident von Altona, wo er eine Armenstiftung ins Leben rief.
Rittscher.
Die Familie Rittscher erwarb im Jahre 1767 das damalige Herrenhaus eines Flottbecker Gutes und betrieb dort seit 1769 eine Gartenwirtschaft.
Schirach, Gottlob Benedikt von (* 13.6.1743 Tiefenfurth in der Oberlausitz, † 7.12.1804 Altona). Lehrte zuerst an der Universität Halle, 1769 Professur für Geschichte und Politik an der Universität Helmstedt. 1776 von Maria Theresia geadelt. 1780 dänischer Legationsrat in Altona, begründete 1781 das »Politische Journal«, das er bis zu seinem Tode herausgab und das durch rigorose Verteufelung der Französischen Revolution bekannt wurde. »Von Schirach, der schon vorher viele und hohe Beziehungen in Frankreich gehabt hatte, nahm manche der Flüchtlinge gastfrei auf, bewirthete sie lange Zeit und machte sein Haus zum Mittelpunkte der geistreichsten und feinsten Gesellschaft« (H. K. Eggers 1879)
Sieveking. Seit dem 16. Jahrhundert in Hamburg ansässige Familie mit bedeutender Rolle in Handel und öffentlichem Leben. »Für Altona erlangte zuerst Bedeutung der Kaufmann Georg Heinrich Sieveking (1751–1799), der [...] schon früh in das Handelshaus Voght & Co. eingetreten war. [...] 1796 wurde er als Gesandter der Kommerzdeputation nach Paris beordert und erhielt die Aufgabe, die unterbrochenen Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und Hamburg wieder herzustellen. 1793 erwarb Sieveking den anmutigen Landsitz zu Neumühlen, der dem Engländer Blacker gehört hatte, den heutigen Donnerschen Park. [...] Im Sievekingschen Haus und Landsitz verkehrten die erlesensten Mitglieder der Hamburger Patriziergesellschaft, wie alle bedeutenden Fremden, die überallher aus Europa nach Hamburg kamen. Wilhelm v. Humboldt, Klopstock, Gleim und Basedow, der Komponist Reichardt, der Prinz von Gonzaga, der Dichter Baggesen waren hier gern gesehene Gäste. Der Professor, Theaterenthusiast und ›Salon-Jakobiner‹, wie ihn H. Lüdtke nennt, Johann Christoph Unzer, Elise von der Recke (geborene Gräfin von Medem), der Altonaer Schriftsteller, Herausgeber des Altonaischen Mercurius und Freund des Baron Voght, Piter Poel, verkehrten hier« (Hoffmann).
Smissen, van der. Aus Brabant stammende Mennonitenfamilie. Nach der Emigration zunächst in Friedrichstadt, dann in Glückstadt ansässig, beide Städte seinerzeit neu gegründet. 1682 siedelte Gysbert II van der Smissen nach Altona über. »Am 19. August 1706 kaufte Hinrich van der Smissen von dem damaligen Präsidenten der Stadt, dem Etatsrat Jessen, die Anhöhen südlich der Palmaille. [...] Die Söhne Hinrichs waren Hinrich II van der Smissen (gestorben 1789) und Gysbert III van der Smissen (gestorben 1793). Der erstere, dreimal vermählt, war ein strenger und ernster Kaufmann. Der zweite, Gysbert III, genialisch veranlagt, liebenswürdig und liberal denkend. Trotz seiner mennonitischen Gesinnung war er ein begeisterter Verehrer der französischen Revolution, die er geradezu als die zeitgemäße Konsequenz der Reformation und des Humanismus empfand. Er liebte Pracht und Umgang mit hochgestellten Persönlichkeiten. [...] Er verkehrte mit Dr. Joh. Friedr. Struensee, als dieser noch Altonaer Stadtphysikus war. Aber Struensees sehr freie Ansichten gingen dem strengen Mennoniten doch zu weit. [...] Als das Haupt Ludwigs XVI. in Paris unter der Guillotine fiel, wurde sein Glaube an die französische Revolution stark erschüttert. Auch die späteren van der Smissens waren geachtete Kaufleute, die ihre Handelsbeziehungen nach Friesland, Holland, Belgien und England aufrecht erhielten. Unter den Einwirkungen der napoleonischen Kriege brach im Jahre 1824 die Firma van der Smissen zusammen«. (Hoffmann)
Stenbock, Magnus Graf von (* 12.5.1664 Stockholm, † 23.2.1717 Kopenhagen in dänischer Gefangenschaft). Schwedischer General. Schlug am 20.12.1712 bei Gadebusch mit 8400 Schweden das 20000 Mann starke Heer der Dänen, Russen und Sachsen, brannte am 2.1.1713 Altona nieder.
Thornton, John (1764-1834). Großkaufmann, Besitzer eines von Hansen erbauten Landhauses an der Elbchausee.
Voght, Baron Caspar von (1752–1839). Lange Jahre erfolgreicher Kaufmann, Lebenskünstler, Philantrop, Freund der Künste und der französischen Revolution. Freundschaftliche Kontakte u. a. mit Klopstock, den Grafen Stolberg und dem Dichter Unzer. Kaufte sich 1785 in Flottbeck an und richtete eine Musterwirtschaft nach englischem Muster ein. 1801/02 organisierte er das preußische und österreichische Armenwesen. Kurz nach 1800 ging sein Vermögen großenteils verloren, doch blieben ihm sein Landhaus in Kleinflottbeck und seine Hamburger Stadtwohnung, so daß er nicht am Bettelstabe nagte und sein Leben in philosophischer Beschaulichkeit vollenden konnte.
Vollmer, Diederich Gottfried Leberecht (* 1768 Thorn, † 30.4 1815 Hamburg). Demokratisch gesinnter Buchhändler und Verleger. Gründete in Dessau zusammen mit Andreas Georg Friedrich Rebmann eine Verlagsbuchhandlung. Politisch verfolgt, wandten sie sich nach Erfurt. Erwarb am 24.7.1795 von Erfurt aus eine Konzession zur Errichtung der Verlagsbuchhandlung »Königlich privilegierte Verlagsgesellschaft von Altona«. Ende 1795 in Erfurt verhaftet, lebte er nach seiner Entlassung in Altona. 1798 überließ er seine Buchhandlung Dr. Heinrich Gottlieb Schmieder und dem Schriftsteller Joachim Lorenz Evers, kehrte aber im gleichen Jahr zurück und betätigte sich erneut als Drucker und Buchhändler.
Voß, Herman de (1762–1807). Altonaer Kaufmann und Brauherr. Entstammte einer Mennonitenfamilie. Auf seinem neu erworbenen Land erbaute er ein prächtiges Landhaus, »das über ein ganzes Jahrhundert hindurch einer der schönsten und eindrucksvollsten der zahlreichen Herrensitze blieb.« (Hoffmann, Elbchaussee)
Werdermann, Martin. Gastwirt »Kaffeehaus auf dem Wege nach Nienstedten«. (Addresbuch).
Würzer, Heinrich – siehe Nachwort.

Für die Angaben wurden u. a. folgende Quellen benutzt:

Addresbuch = Altonaisches Addresbuch für das Jahr 1803.
BLSH = Biographisches Lexikon Schleswig-Holstein.
Hipp = Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. (1989).
Hoffmann = Paul Theodor Hoffmann: Neues Altona. (1929).
Hoffmann, Elbchaussee = Paul Theodor Hoffmann: Die Elbchaussee. Ihre Landsitze, Menschen und Schicksale. 4. Aufl. (1952).
Lennhoff/Posner = Eugen Lennhoff u. Oskar Posner: Internationales Freimaurerlexikon. (1932).

Enthalten in
Heinrich Würzer:
Ein Spazziergänger in Altona
Herausgegeben von Hans-Werner Engels
Meiendorfer Druck Nr. 42



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