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Robert Wohlleben:

Fahr hin!

Gedichte sind seit alters Massengut,
aus grauer Vorzeit finden sich noch Trümmer.
Vielleicht sind ihre treuen Publikümmer
nur blindlings hergeloffne Gassenbrut?

Ob wer nun kriegen, lieben oder jassen tut,
den Doppelkopf hie schlauer und hie dümmer,
teils ganz Clarté, teils gänzlich ohne Schümmer –
sorgt ein Gedicht, daß er gelassen ruht. *

Der Orpheuskarren, dem die Achse ächzt,
er poltert hin wie Kollers Gotthardpost.
In Reim und Versfuß fügt sich Hott wie Hü.

Sei’s flott geträllert oder flau gekrächzt –
am Rain des abgefahrnen Weges sproßt
manch dunkler Wortreflex zum Aperçu.

22. XI. 2004

Für den Kaminsims (Meiendorfer Druck Nr. 58)

* Am 29. 8. 1915 notiert Gorch Fock im Tagebuch:
»Im Norden und Osten heftiges Feuer. Unsere Artillerie trommelt den russischen Rückzugsmarsch.« Im selben Kontext:
»Ringsum atmet die Sonntagswelt. Kornblumen nicken im Winde. Storms ›Abseits‹, Uhlands ›Tag des Herrn‹, Lenaus Gedichte gehen mir durch den Sinn.«

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