Zu www.fulgura.de mit Navigations-Kolumne

Der Schimmelreiter
von Finkenwerder

Vierundzwanzigstes Kapitel

Der Schimmelreiter von Finkenwerder



Hebbel und Kaiser als Schirmherren

Etwa hier im Verlauf des Vergleichens flog mich ein schwarzes Nachdenken an: Hebbel … Noch die frischeste Erinnerung an die »Nibelungen« ist die Aufführung am Hamburger Thalia-Theater wenige Jahre zurück. Peter Franke als tief in Trauerblau geschminkter Etzel. Traugott Buhre wuchtete Hagens – einstmals Siegfrieds – Schwert, den Balmung, auf die Donaufähre.

Das jedesmal lädierte Schiff jedesmal von meinem Sohn Robert in der Theater-Tischlerei für die nächste Aufführung repariert. Wie vergeblich!

Und Gorch Focks Hebbel-Wahrnehmung: wie blind, blind, blind … oder? Ein Hagen seien beide Klaus Mewes wie jeder Seefischer. Da kanns einem Grauen wie Gudrun, als sie ihn zum erstenmal sieht – von Hagen noch verhöhnt (»Wir erschrecken hier?«):

    Mutter, sieh doch den, / Den Blassen mit den hohlen Totenaugen […]. (Hebbel 938)

König Gunther bekräftigt etwas später Hagen gegenüber:

    Und du / Bist unser Tod […]. (Hebbel 946)

Hagen versteht, im Gespräch mit Volker, die ultimate Bedrohung. Sie gilt ihm nichts:

    Mein Freund, wir sind auf deinem Totenschiff,
    Von allen zweiunddreißig Winden dient
    Uns keiner mehr, ringsum die wilde See,
    Und über uns die wilde Wetterwolke.
    Was kümmert’s dich, ob dich der Hai verschlingt,
    Ob dich der Blitz erschlägt? Das gilt ja gleich,
    Und etwas Beßres sagt dir kein Prophet!
    Drum stopfe dir die Ohren zu, wie ich,
    Und laß dein innerstes Gelüsten los,
    Das ist der Todgeweihten letztes Recht. (Hebbel 963)

Hagen kennt sich. Erklärt es Etzel:

    Ihr wißt, ich bin ein Elfenkind und habe
    Davon die Totenaugen, die so schrecken,
    Doch auch das doppelte Gesicht. (Hebbel 989)

Der Tronjer mit seinem unverstandenen Politik-Verständnis (Albrecht Barfod sollte vielleicht mal etwas darüber in eine seiner Einschlafstörungen eingehen lassen) sieht sich für Verhängnis stehen:

    So oder so, wir sind im Netz des Todes –
    […]
    Und bei den Namenlosen sei’s geschworen:
    Wer mich hinunterstößt, den reiß’ ich nach. (Hebbel 934)

Nach hartem Zuschlagen Hagen atemraubend! weich:

    Es tut mir leid um dieses junge Blut! –
    Der Tod steht aufgerichtet hinter uns,
    Ich wickle mich in seinen tiefsten Schatten,
    Und nur auf ihn fällt noch ein Abendrot. (Hebbel 974; Hervorhebung RW)

Schwenk auf die Austernkutter in Cuxhaven, der Störtebekersche darunter:

    Der erste der neun Kutter trägt den Steven am höchsten und ist der stärkste von ihnen. Noch flattern Reste des Taufkranzes am Großtopp, bunte Bänder und grüne Blätter – so neu ist er. (Sin 273)

Aber Gorch Fock vermasselt alles mit bassig daherstöhnender Inszenierung für Schmiere:

    Ein furchtbarer Ernst webt um die Masten der Fahrzeuge. Der Tod steht aufgerichtet an den Wanten und ist der heimliche Schiffer. (Sin 273; Hervorhebung RW)

Furchtbarer Ernst webt … kein Kommentar. Wo käm ich hin!

Ja: Auch Hebbels »Nibelungen« sind ins Erfindungsgewebe von »Seefahrt ist not!« eingeschossen. Nach deren Hagen, der den tödlichen Takt für den Fortgang der Handlung vorgibt, am sinnfälligsten vielleicht der Nibelungenschatz. Der kleine Störtebeker sucht ihn schon, wo er nach dem vergrabenen Gold des Piraten Störtebeker spürt. Was bei Goethe walpurgisnächtlich in den Tiefen der Erde erschaubar wurde, liest sich bei Hebbel mit Rumolts Worten so:

    Ich guckt’ einmal in eine finstre Höhle
    Durch einen Felsenspalt hinein. […]
    Schauerlich
    Sah’s aus, es kam mir vor, als hätt’ sich eine
    Gestirnte Hölle tief im Mittelpunkt
    Der Erde aufgetan, wie all die Funken
    So durcheinander tanzten, und ich fuhr
    Zurück, weil ich nicht wußte, was es war. (Hebbel 958 f.)

Da war also von Goethes Walpurgisnacht und Kants gestirntem Himmel was zu Hebbel getrieben und ist – ohne Kant – auch bei Gorch Fock gestrandet … und wer weiß, wo noch. Ein Schatz ist an der gerade zitierten »Nibelungen«-Stelle nicht gemeint, aber den hatte kurz zuvor Kriemhild ins Gespräch eingebracht … jeder Fischer horcht auf:

    Mit meinen Perlen schmückt die Nixe sich,
    Mit meinem Golde spielt der plumpe Fisch […]. (Hebbel 957)

Gemeint ist der Nibelungen-Hort – »Ho, ho! Das Gold!« ruft Hagen, und Volker spielt ein:

    Schon ist es rot, und immer röter wird’s
    Mit jedem Mord. Auf, auf, was schont ihr euch?
    Erst, wenn kein einz’ger mehr am Leben ist,
    Erhält’s den rechten Glanz, der letzte Tropfen
    Ist nötig, wie der erste. […]
    Die gier’gen Zwerge haben’s gleich gehascht
    Und hüten’s in der Teufe. (Hebbel 966)

Volker wird prophetisch:

    Es ist schon wieder da!
    Und zu dem Fluch, der in ihm selber liegt,
    Hat noch ein neuer sich hinzugesellt:
    Wer’s je besitzt, muß sterben, eh’s ihn freut.
    […]
    Und wird es endlich durch den Wechselmord
    Auf Erden herrenlos, so schlägt ein Feuer
    Daraus hervor mit zügelloser Glut,
    Das alle Meere nicht ersticken können,
    Weil es die ganze Welt in Flammen setzen
    Und Ragnaroke überdauern soll. (Hebbel 966 f.)

Das gleichermaßen verschollene Gold des Piraten wird Störtebeker in den hohlen Weiden auf Finkenwerder gewiß nicht finden, denn das ist auf See zu suchen. Aber Klaus Mewes’ Ewer kommt ihm nahe:

    Sie machten das Reff aus den Segeln heraus […], dann ließen sie das Schleppnetz […] zu Wasser, mitten hinein in Störtebekers Gold, in den roten Feuerweg, den die eben aus der See gestiegene Sonne auf dem Wasser gemacht hatte. (Sin 158)

Dieser Schatz hat in »Seefahrt ist not!« seine eigene Metaphysik:

    Ihr Seefischer, die Ihr ihn [Störtebeker] auslachtet: erwehrtet Ihr Euch der Gedanken an große Fänge, an reiche Schätze, wenn Ihr die Kurre einzogt? Wenns auch vorher nur Tang und Schlick und Steine gewesen waren, was Ihr zu Tage gehoben hattet: kam nicht bei jedem Streek die Hoffnung wieder, daß es auch einmal etwas andres sein könne? […] Störtebekers Gold liegt immer noch auf dem Grunde der See: ein Fischer wird es einmal finden, heißt es. Diese Hoffnung auf Großes, Unsichtbares, die sich bei jedem Streek erneut, ist es, die auch dem armseligsten Fischerewer vor allen andern Schiffen etwas vorausgibt: und sie ist es, die Fischer werben wird, so lange die See nicht zugeschüttet ist. (Sin 162)

Das mit der zugeschütteten See ist bittere Anspielung auf die hamburgischen Vorbereitungen zur Industrialisierung der Elbinsel Finkenwerder *) (ich kann das nachvollziehen, wenn ich an die unter Hamburger Hausmüll verschwundenen Moränen in der Meiendorfer Feldmark meiner Kindheit denke). Gorch Fock 1908 in Brief oder Tagebuch:

    Diesen Augenblick heult es in der Runde, es ist sechs! Da liegt ein schwarzes Ungetüm vor unserm Hause am Finkenwärder Deich, und dieses Ungetüm hat seine langen Arme auf meinem Deich liegen, hält meine Welt umkrallt. Und diesen Augenblick erwacht es und reißt seine glühenden Augen auf und pfaucht und stöhnt und bläst einen schweren Strom von Sand und Schlick auf Deich und Elbe, verschüttet und verwüstet meinen Rasen, begräbt meine Spielplätze. (Gorch Fock V 238 f.)

Und das mit dem Schatz, so trickreich mit dem Nibelungengold überblendet … nee, wirklich: Wer Störtebeker heißt, sollte wissen, wo er »sein« Gold versteckt hat. Zumal er auch »ein Hagen« ist. Denn der wußte sehr wohl – und behielt es für sich – wo er den Hort im Rhein versenkte.

Eine Vision des Elfenkindes Hagen stellt übrigens eine begehbare Brücke zwischen Goethes Walpurgisnacht und Theodor Storms Seegespenstern überm dunklen Watt her – von Gorch Fock nicht benötigt:

    Meerweiber traf ich an,
    Als ich vorhin, das Schiff zu suchen, ging,
    Sie schwebten über einem alten Brunnen
    Und glichen Vögeln, die im Nebel hüpfen,
    Bald sichtbar, bald vom blauen Qualm verschluckt.

Hagens Fortsetzung führt zu Storms hintergründigem Schimmelverkäufer:

    Ich […] stürzte fort.
    Doch da erscholl ein Lachen hinter mir,
    So widerwärtig und entsetzlich-häßlich,
    Als käm’s aus einem Sumpf von tausend Kröten
    Und Unken, und ich sah mich schaudernd um. (Hebbel 931 f.)

Gorch Fock wollte, daß wir wie er den Seefischer als Hagen auf dem Weg ins Heunenland sehen, aber wieder unterschlug er etwas Entscheidendes … hier nämlich das, was Hagen in seiner Vision prophezeit bekommt:

    Wir haben dich betrogen,
    Ihr alle seht, wenn ihr ins Heunenland
    Hinunterzieht, den grünen Rhein nicht wieder […]. (Ebenda)

Die Freundin Aline Bußmann weist in der Lebensbeschreibung auf Gorch Focks Bindung an Hebbels »Nibelungen« hin:

    Vor allem liebte Gorch Fock die Hebbelschen »Nibelungen«, deren Geist er sich am meisten verwandt fühlte, in deren Germanentum auch er fest wurzelte. Er kannte sie fast auswendig. Hebbel, der herbe Norddeutsche, hat ihn immer am stärksten beeinflußt. (Sterne 24 f.)

Als ob es Hebbel ums »Germanentum« gegangen wäre! Aline Bußmann bezog sich mit ihrer Einlassung gewiß auf Gespräche mit Gorch Fock und ganz sicher auch auf diese Äußerung in einem seiner Briefe an sie (23.12.1912):

    Ganz stark hat es mich bewegt, daß Sie aus Hebbels »Nibelungen« gelesen haben. Denn Hebbels »Nibelungen« sind mir mehr als alle Bücher, mehr noch als der Faust, sie begleiten mich alle Tage, und ich kann sie fast Wort für Wort auswendig. Unter den Dingen, die ich träume, wenn ich an Sie denke, die ich ersehne, steht eine Vorlesung aus den »Nibelungen« obenan, stand sie schon gleich. Sie die Kriemhild der »Rache«! (Briefe 33)

Wenn mein maurerischer Freund Bernd von diesen Träumungen erführe, würde er wohl sogleich die erhobenen Hände flattern lassen, mit komischem Erschrecken eine Quint greifen und darauf sein Verzweiflungsgeheul anstimmen … und recht hätte er! Nämlich hinsichtlich der Überblendung und letztlich Gleichsetzung von Motiven und Konzepten in »Seefahrt ist not!«, in Hebbels »Nibelungen« und letztlich in der Gorch Fockschen Biographie wie Person.

Wie Gorch Fock den Fischersohn Störtebeker an die Phantasie-Leinwand projizierte, ließ er so viel von sich hineingeraten, daß bei aller Stilisierung das Selbstportrait des Dichters als eines kleinen Kindes nicht zu verkennen ist. Selbstportrait ist immer als Selbstergründung gemeint … von »Selbsterkenntnis« wollen wir hier nicht reden. Und da zeigt sich: In den Gorch Fockschen Untergründen steht das kindheitliche alter ego paradoxerweise zugleich für das Konzept Siegfried und das Konzept Hagen.

Gorch Fock hat später für sich als Soldaten das Siegfried-Konzept angezogen, wo er unter dem 23.7.1915 aus dem Felde – »Bei Tomaschow (Russl.)« – schrieb:

    Raben umschreien mich wie Siegfried, ich aber lache ihrer wie der Held aus Nibelungenland. (Mensch 138)

Da ist Lektüre-Erinnerung mißglückt. Oder gefälscht: Der Wolsung hat nicht gelacht! Jedenfalls läßt sich kein Lachen aus seinen Worten in der zweiten Szene des im Odenwald spielenden fünften Aktes von Siegfrieds Tod herauslesen:

    Verfluchte Raben,
    Auch hier? Laßt blasen, daß die Hörner springen!
    Mit jeglichem Getiere warf ich schon
    Nach diesem Schwarm, zuletzt mit einem Fuchs,
    Allein sie weichen nicht, und dennoch ist
    Mir nichts im frischen Grün so widerwärtig,
    Als solch ein Schwarz, das an den Teufel mahnt.
    Daß sich die Tauben nie so um mich sammeln! (Hebbel 891 f.)

Und da soll Aline Bußmann zur Kriemhild werden … die ihren Siegfried geliebt und den Siegfried-Mörder Hagen enthauptet hat! (Und ihrerseits von Dietrichs von Bern Waffenmeister Hildebrant erschlagen wird – »Kommt hier der Teufel doch noch vor dem Tod? / Zur Hölle!«)

Beatrice, Kriemhild … mir scheint: Was aussehen könnte wie im Nebel eines amour fou sich verirrende Jagd nach möglichst hochkarätigen Ehrentiteln für die Geliebte, lenkte sich doch mit höchster Zielgenauigkeit auf die dunkle Tiefenbedeutung von Vernichtung und Untergang ein. Die Paradoxie von Hagens Sehnsucht nach Kriemhild ist eine scheinbare. Schräg über die verräterischen Unterschlagungen in Heunenland-Anspielung und navigare-Zitat hinweg angesehen, wendet sie sich ins Folgerichtige.

Aline Bußmann (nu, sich selbst wohl auch!) im Rang zu heben, griff Gorch Fock – obschon Dante-Verächter – unter anderem (was ich mir für weiter unten aufspare) auch auf dessen Beatrice zurück. Er scheint damit den Brand des coup de foudre in den Furor entsagender Sublimierung haben überführen zu wollen … so viel wird er über Dante und Beatrice gewußt haben. Was er der Angebeteten unter dem 10.1.1913 schrieb, läßt auf eine scheußliche Verwindung durchblicken (… ach, Gorch Fock!):

    Über Ihren Nelken, die immer noch schön sind, habe ich das kleine Bild aufgehängt, das ich Ihnen zu Weihnachten schenken wollte und schließlich doch nicht geschenkt habe, weil ich mich nicht getraute: Dantes Begegnung mit Beatrice. Dieses florentinische Mädchen hat Ihre Augen: so habe ich Sie denn auch sichtbarlich bei mir. (Mensch 38)

Was an Schnipseln aus Gorch Focks Tagebüchern und Briefen an seine Frau und Aline Bußmann in den fünften Band der Sämtlichen Werke von 1925 gestopft ist, läßt mich in den Ruf nach einer wissenschaftlich erarbeiteten Ausgabe einstimmen. Immerhin ergibt sich auch hier, daß Gorch Fock sich interessiert mit Hebbel befaßt hat. So schrieb er 1908:

    Hebbels Tagebücher sind mir ins Haus gekommen und mit ihnen ein unbekannter, riesenhafter Geist, vor dem ich fremd stehe. Ein Riese, so groß, daß er mit dem Kopf in den Wolken steckt und die Nebel und Wetter werden sieht. (Gorch Fock V 170)

Eine wirklich aussagekräftige Bezugnahme auf Hebbels »Nibelungen« würde mich interessieren, findet sich aber anscheinend nirgends. Ohne damit zu exakten Benennungen zu gelangen, umschrieb Gorch Fock 1909 eher wolkig den Eindruck, den Hebbel auf ihn gemacht hatte:

    Kein Volksmann ist Hebbel, noch weniger ein Volksheld: aber Götterhoheit leuchtet von seiner Stirn. Ein hoher, hoher Berg ist er mit einem breiten Wolkengürtel um die Hüften. (Gorch Fock V 196)

1912 ebenso inexakt:

    Inmitten unseres Lebens liegt ein Berg: bei der Geburt steht er hoch und groß vor uns, beim Tode soll er ebenso hoch und groß hinter uns liegen. Wie werden wir mit ihm klar? Die meisten von uns gehen einfach um ihn herum […], ein Schiller überflog ihn, ein Goethe stieg mit Riesenschritten bis zum einsamen, eisigen Gipfel und ging auf der andern Seite gelassen zu Tal, ein Kleist folgte ihm in gewaltigen Sprüngen, stürzte aber hart vor dem Gipfel jäh ab, ein Hebbel endlich bohrte sich einen Weg mitten hindurch, er schrob sich mit eisernen Werkzeugen durch harten Basalt und Granit. (Gorch Fock V 233)

Sich an gewaltsam gewaltiger Bildlichkeit wie für Kintopp zu berauschen, statt solche Begeisterung wirklich auszudenken … sollte dahinter eine Ursache für Gorch Focks halbgenauen Umgang mit Zitaten sich vermuten lassen? Granit und Wolken als Elemente der Bildkomposition dämmen die Wahrnehmung von deren Tiefenbedeutungen ab. Das leisten genauso die eher von der Wagner-Bühne entführten als von Hebbel herstammenden Siegfried-, Hagen- und Kriemhild-Figurinen … tost nicht der Tusch des Wagner-Orchesters auf?

Daß Leben nicht not sei und daß es keine Wiederkehr aus dem Heunenland gebe, sind Unterschlagungen, die nur allzu gut dem propagandistischen Impetus seines Romans entsprechen. Hat Gorch Fock sie beabsichtigt? Dann ist es Verlogenheit. Hat er sie verpaßt? Dann Schlamperei. Mit beiden Urteilen möchte ich zurückhalten. Am wahrscheinlichsten ist mir dann: eine Wahrnehmungsstörung zwingend aus der seelischen Disposition des suizidal Depressiven.

Was Gorch Fock von Hebbel aufnahm, gab er in ungefähren Bildern wieder, die ungefähr Vorstellungen von Größe signalisieren. Jovialer sprachlicher Umgang mit einem diesen und jenen – allesamt garantiert groß! – übermittelt der Gemeinde der wahrhaft Gebildeten semaphorisch, daß hier ein Gorch Fock etwas aus ganz vertraut-vertraulichem Umgang mitteilt.

Nichts wird explizit, denn einer Explizierung hätte forschend eindringende Nachfrage vorauszugehen. Wie denn aber wäre die möglich, da sie den würgenden Konsens im Kreis der Einverständigen in Frage stellen und den Fragenden zum Unverständigen, gar des Sakrilegs Schuldigen stempeln und ihn zur Strafe ausgrenzen würde?

    Hebbel ist unverträglich wie ein Adler: alles was schwächer ist als er, würgt er! (Gorch Fock V 208)

Wer das so hinschreiben kann, hat Hebbel überlebt, ist also mindestens ebenso stark wie der. Das macht dem Status breite Schultern.

So kommt denn Gorch Focks Wortfindung in den Verdacht, sie sei auf Auswahl von Wortmaterial anerkannt ff und Ia bester Qualität hin angelegt: »Ein furchtbarer Ernst« … gleich zweimal benutzt (Sin 242 und 273). Das sieht doch so aus, als habe sich Gorch Fock aus all dem auf Papier und im Gespräch sich herumtreibenden Wortmaterial gezielt das herausgekurrt, was ihm und im Feld seiner Kontakte als teuer und seelentief galt. Oder dessen Herkunft als mündelsicher hochwertig anerkannt und kulturell wie politisch garantiert war.

So könnte zustande gekommen sein, daß Gorch Fock »Stellen« in seinen Text hineinzitierte oder darauf anspielte, ohne deren Ursprungszusammenhang bis ans gar nicht so »freundliche« Ende bedacht zu haben.

Arno Holz hat in seiner Schlüssel-Komödie Sozialaristokraten von 1896 dies Verfahren von Wortfindung und -verwendung bissig karikiert. Dort tritt Dr. Gehrke (= Bruno Wille) auf, anfangs noch lebensreformerischer Theoretiker elitär-linksanarchistischer Provenienz. Im Handlungsverlauf mausert er sich echt angestrengt zum Abgeordneten der Antisemitischen Volkspartei. Am Schluß der Komödie redet Dr. Gehrke mit seiner Frau:

    Gehrke ([…]; halb lallend): Deutsch bis ins Mark! Die Religion, die Monarchie, das Eigentum und die Ehe! …
    Meischen (sinkt ihm in die Arme, schluchzend […]): Mei Benno! Liebste mich? Biste glicklich?
    Gehrke: Mäuschen, Mäuschen! (Küßt sie.) Mietzemeiselchen! (Geste nach draußen hin.) Siehst du, mein Kind? Wie Ibsen sagt: Die Sonne, die Sonne! (Arno Holz IV 93)

Zum Schaudern: Dr. Gehrke eignet sich blind und um eines besoffen-großtuerischen Effektes willen das an, was in Ibsens Gespenstern ein Psychopath im vollen Schub sagt. (Nu, ebenso wird ja auch gern mit dem strohdummen Diktum gegen die »graue Theorie« geglänzt, das Goethe zunächst mal für seinen – nicht dummen! – Mephisto so tückisch zugeschliffen hat.)

Oliver Böhm: Lithographie Fliegender Holländer

Öfters habe ich beobachtet, daß Gorch Focks Titel »Seefahrt ist not!« gern, konstant, beharrlich und falsch als »Seefahrt tut not!« erinnert wird. Klar: Da lagert sich die heute noch manchmal benutzte idiomatische Wendung »Das tut doch nicht not« darüber. Daniel Sanders’ Handwörterbuch der deutschen Sprache von 1906 gibt sowohl »Noth sein« als auch »Noth tun« als geläufigen Gebrauch an. Und doch dürfte damals für das politisch empfindliche Ohr das eine doch voller oder falscher geklungen haben als das andere. Da spricht nämlich Gorch Focks Kaiser Wilhelm II. mit. In einer seinerzeit populären Kaiserrede von 1899 hieß es mit Bezug auf den im Jahr zuvor beschlossenen Ausbau der deutschen Kriegsflotte:

    Bitter not ist uns eine starke deutsche Flotte.

Unìsono mit seinem Kaiser intoniert Gorch Fock das deutsche Seegeltungs-Mantra:

    Denn navigare necesse est – Seefahrt ist not, und bitter not ist es, daß das Lachen von Klaus Mewes nicht von der See gehe! (Sin 142)

Verbeugung vorm Kaiserhaus also. Die hatte gleich im ersten Stremel des Romans – stellvertretend für Gorch Fock wahrscheinlich – »laut und warm« Pastor Bodemann mit seinem Gebet für Wilhelm I. geleistet:

    nicht leise und kalt, wie sein Vorgänger, ein zäher Welfe, der nur der kirchlichen Vorschrift nachgekommen war […]. (Sin 5)

Gorch Fock leistet beste Kriegsflotten-PR:

    Kein deutsches Kriegsschiff kann reiner sein als ein Finkenwärder Ewer zu Karkmeß […]. (Sin 185)

Das Deutsche Reich rüstete damals und probte Stärke zur See. Der rabiate Panthersprung (1911) lag nicht lange zurück, als »Seefahrt ist not!« 1912 erschien. Das unverhohlene imperialistische Krafttraining hatte schon früher eingesetzt. So weiß mein Großer Meyer im vierten Band über die deutsche Außen- und Kanonenboot-Politik von 1897 ruckzuck und ganz auf der Höhe der Zeit zu berichten:

    Die Verletzung der Rechte eines Deutschen in Haïti durch die dortige Regierung wurde durch die Entsendung eines Kriegsschiffes rasch gesühnt. Auch in China, wo zwei deutsche Missionare ermordet worden waren, erzwangen deutsche Waffen Genugtuung und einen festen Stützpunkt für die deutsche Flotte: Kiautschou ward 14. Nov. 1897 besetzt [...]. (Hervorhebung Meyer)

In »Seefahrt ist not!« sind Kaiser und Hebbel deutlich als Leihgeber zu erkennen, sie trugen halt zum Sprachtreibsel der Zeit bei. Sie leihen mit ihrem Wortlaut zwar nicht automatisch auch dessen Bedeutung, signalisieren aber doch wenigstens – »ein Stück weit« – Bedeutsamkeit. Diese Bezüge sind auswärtig angeknüpft und wollen gelesen sein. Bühnentechnisch gut ausgeleuchtet, wie sie sind, erfüllen auch sie die Funktion, die Aufmerksamkeit vom Blick dahinter und in die Tiefe abzulenken.

Allmählich wird deutlich, wo Gorch Fock seine Koalitionen gefunden hat: bei deutschnationalen, kaisertreuen Imperialisten mit Edda, Goethe, Hebbel und Frenssen im Bücherschrank. Ob und, wenn ja, wie gelesen, darf offen bleiben. (In Eiche gefaßt und hinter Glas standen die Wunsch- und Vorzeige-Innereien zur gefälligen Betracht- und Beachtung.)

Hebbel war ein so tückischer Fallensteller: In den kristallgittrigen Verhack seiner »Nibelungen«-Blankverse sind sie reingetappt … und haben gekuckt!!! (Statt sich – vielleicht! – Tränen zu gestatten.)

Die Storm-Bezüge sind demgegenüber gänzlich anders beschaffen. Die düstere Schimmelreiter-Matrix formt in der Tiefe die Struktur von »Seefahrt ist not!«, ihr Feld erfaßt die Motivik und trägt sie in die Gorch Focksche Erfindung ein … wie auch immer getarnt. Nur von der – teils umgestülpten! – Schimmelreiter-Matrix her sind die Motive zu erkennen. Der Storm-Bezug war nicht dazu gemeint, vom Lesepublikum erfaßt zu werden. Er ging nur Gorch Fock etwas an. Und gehörte verheimlicht. Vielleicht gar verheimlicht vor Gorch Fock selbst …?

Hier gehört angemerkt, daß ich mir über all das keine Gedanken gemacht hatte, als ich »Seefahrt ist not!« vor vielen Jahrzehnten las. Viel interessanter war damals, wie ein Ewer gebaut ist und betrieben wird. Auch das buntscheckige Lokalkolorit war reizvoll, bis hin zum bunt gekleideten Schnelläufer, der nach seinem Schaulauf Geld einsammelt … und von Störtebeker überholt wird (Sin 121)! Die verschiedenen Sorten Fisch. Störtebeker mit seiner Kreek auf dem brüchigen Eis der Elbe (eine unscharfe Erinnerung an Eisgang auf dem Ohio will sich fern von Onkel Tom her einspielen). Klaus Mewes’ Untergang im Skagerrak griff mir ans Herz. Ich fand das Buch schlicht spannend. Es hat mich zu keiner Zeit bewogen, zur See oder etwa gar gegen Engeland fahren zu wollen.

Hier sei eine Nibelungen-Anmerkung unüberprüft weitergegeben, die ich Albrecht Barfod mit all seinen perplexierenden Einsichten in Geschichte, Gegenwart und Zukunft verdanke: Solange reichsdeutsche Kriegsführung in Vormarsch und Aufschwung war, wurde in Berichterstattung, Kommentar, Glosse und Feuilleton immer gern Siegfried angespielt oder thematisiert … Hagen mußte erst dann an den Tanz, wenn die Niederlage schließlich absehbar wurde.

Was bedeutet es dann, daß Gorch Fock schon vor dem »Waffengang« vorauseilend Hagen bemühte? Hätte es so gewesen sein können, daß ihm sein Sensorium – unterschwellig! – eine auf den Untergangs-Garanten Hagen weisende Analyse der historischen Situation zur Verfügung stellte, die dann aber so, daß er es selbst glaubte! zurechtgebogen sein wollte und das zugleich auch noch so, daß Hochmögende ihm auf die Schulter klopfen?

Siehe die Verbeugung vor Wilhelm Zwo bereits im Titel des Romans. Von den mit Zitaten bestochenen Bildungsbürgern und etwa dem Seefischerei-Verein nicht zu reden. Honoriert durch hübsche lokale Erfolge: 1913 kaufte die Schulbehörde der Stadt Hamburg »Seefahrt ist not!« an … von 8000 Exemplaren weiß Aline Bußmann (Sterne 40). Wo Gorch Fock gegen Ende 1915 bei der Hamburgischen Oberschulbehörde um Zuerkennung des Berechtigungsscheins zum einjährig-freiwilligen Heeresdienst einkam – um seine soldatischen Aufstiegschancen zu verbessern (ob die bei andren Gelegenheiten durchaus fix handelnde Behörde bis zum Untergang der Wiesbaden mit einem Bescheid zu Potte gekommen ist, weiß ich nicht) – sind es »9000 Bücher für die Volksschule« (Schiff 208).

Jetzt, seit Ende September ’94 weiß ich ein bißchen mehr über das, was Gorch Fock damals der hamburgischen Literaturförderung verdankte, denn in Tiedemanns Antiquariat, wo ich eigentlich nach älteren englischsprachigen Nachschlagewerken suchte, griff ich für zwölf Mark abermals »Seefahrt ist not!« auf … jetzt sind es schon fünf Stück! Dies neu erworbene Stück der dritten Auflage (13. bis 15. Tausend) von 1914 enthält nach dem Innentitel statt des Hinweises auf Copyright und Druckerei diesen stolzgeschwellten Vermerk:

    Die zweite Auflage dieses Buches in Höhe von etwa 9000 Exemplaren wurde von der Hamburger Oberschulbehörde erworben. 7600 Exemplare wurden Weihnachten 1913 den im letzten Schuljahr stehenden Knaben als Mitgabe für den Lebensweg geschenkt. Der Rest wurde in die Hamburger Volksschulbibliotheken eingestellt.

(Nu, für gewisse Verlage und AutorInnen, die sich gar nicht scheuen, ist das »Abzocken« öffentlicher Mittel ja auch heute durchaus innerhalb der sportlichen Anstandsgrenzen … ich hab nix gegen Mäzenatentum, das aus einem Wechselspiel persönlicher Wertschätzung erwächst, aber mich gruselt vor den entfremdeten wie entfremdenden Transaktionen aus – ich sag mal: – standortpolitischem Kalkül.)

Ich möchte – auch wenns möchte so scheinen wollen – damit nun nicht sagen, daß Gorch Fock bewußt nach Opportunität geschrieben hätte. Ihm selbst scheint der – im zeitgenössisch gehaltenen Vergleich mit etwa Gerhart Hauptmannschen Einnahmen recht bescheidene – Erfolg zum Verwundern gewesen zu sein. Das ist wenigstens so aus einer Brief- oder Tagebuch-Passage von 1912 herauszulesen:

    20./12. Freitag. Ich bin der Mann im Märchen: Ich erhielt heute, ohne daß ich es verlangt hatte, runde fünfhundert Mark als Teilzahlung. Die Bücher müssen also gut gekauft worden sein. Mit soviel Geld in der Tasche läßt sich moi Weihnachtsmann spielen: ich habe heute einen Linoleumteppich, einen Ofenschirm und eine Gaslampe für unsere Vorderstube gekauft: damit sind wir denn endlich so gut eingerichtet, wie wir es sein wollten. (Gorch Fock V 236 f.)

Nein, geldwerte Koalitionen zu finden, hätte er wohl durchaus unbewußt zuwege bringen können. Gorch Fock war ein Unterschwelliger. Sein Hagen und das untergegangene Karthago mitsamt der ausgeblendeten Fortsetzung des Plutarch-Zitats »navigare necesse est« sehen vielmehr ganz so aus, als hätte Unterschwelligkeit gegen alles Wahrhabenwollen ein sehr hellsichtiges Befürchten der nihilistisch mörderisch-selbstmörderischen Entwicklungen in die Klaus Mewes-Erfindung einschmuggeln können. So mags zustande gekommen sein, daß sich der Fliegende Holländer zeigt – Unheilskünder wie Storms Schimmelreiter – wenn der Werbespot mit dem Bild des sieghaft breitschultrigen Kutterschiffers am Romanschluß schräg von der Seite angesehen wird.

Klar und unverbogen hat der Arno Holz-Freund Robert Reß (1871–1935) eine vergleichbare Analyse in seinem bereits 1899 in Berlin im Verlag von Johann Sassenbach erschienenen Gedichtband Farben ausgedrückt. Die darin versammelten Gedichte entstammen der literarischen Werkstatt der sogenannten Arno Holz-Schule **). Mir gilt Ressens Gedicht als eins von den gewichtigen Gedichten deutscher Sprache … die Grimasse des Schlusses ergreift mich:

Auf der Schützenwiese
zwischen Menagerieen, Riesendamen und Seiltänzern,
unter sich ein Postament von Granit,
steht
»das Vaterland«.

Eine schwarze, gusseiserne Puppe mit Augen aus Fensterglas.

Bunte Papierfähnchen zu ihr hinauf
schwenken Kinder.

Würdige Herrn in Frack und Orden
schwitzen feierliche Reden.

Sie glotzt ins Leere.

Sie ist ein Riesenofen,
der uns alle verbrennen wird.

Und da hilft mir – wie passend! – auch noch die tageszeitung mit einem Artikel von Kay Dohnke in ihrer Hamburg-Ausgabe vom 1.9.1994: »Von Leichenbergen auf dem Feld der Ehre. Mit seinem Antikriegsroman ›Das Menschenschlachthaus‹ provozierte der Hamburger Wilhelm Lamszus am 1. September 1912, dem militaristisch gefeierten ›Sedanstag‹, einen Skandal hanseatischer Art«.

Etwa gleichzeitig mit Gorch Focks »Seefahrt ist not!« kam das Buch des etwa gleichaltrigen Lamszus (1881–1965) zum Druck, auf den Sedanstag getimed (siehe das Reßsche Gedicht):

    Gänzlich unerwartet wurde in diesem Loblied auf Militarismus und Mannesmut aber ein Störton laut: Im Hamburger Echo, der sozialdemokratischen Tageszeitung, erschien die erste Folge des Romans »Das Menschenschlachthaus«. Schon der Titel ließ keinen Zweifel daran, wie diese »Bilder vom kommenden Krieg« zu verstehen waren: realistisch und illusionslos schilderte der Verfasser Wilhelm Lamszus das technisierte Massenmorden mit Maschinengewehren und Granatwerfern. Leichenberge auf dem »Feld der Ehre«, der Rock des Kaisers blutbespritzt – so sah das Gesicht des Krieges aus!

Und wo der Hapag-Angestellte Gorch Fock durch sein »Seefahrt ist not!« in den kommoden Genuß hamburgischer Autorenförderung kam, wurde mit dem Lehrer Lamszus ganz anders umgesprungen:

    Am 18. September schickte die Polizei ihre aus der Zeitung ausgeschnittenen Erkenntnisse an die Oberschulbehörde. Deren Chef, der Senator Berenberg-Goßler, reagierte prompt: Zwei Tage später flog Lamszus aus dem Dienst – nur um weitere drei Tage später klammheimlich wieder eingestellt zu werden, nachdem man ihm eine reumütige Treueerklärung abgetrotzt hatte. […]

    Am 2. Oktober traten die nationalkonservativen Hamburger Nachrichten mit einer hetzerischen Titelgeschichte vom »Gemeingefährlichen Jugenderzieher« eine breite öffentliche Kontroverse um Lamszus’ Buch los.

Da wurde appelliert, »den Verfasser derartiger Schundliteratur auf irgend eine Weise unschädlich zu machen« (»Heilanstalt« als handlicher Vorschlag zur Hand). Der gräßliche Vorwurf war,

    Lamszus wolle nur »dem Volke das patriotische Mark aus den Knochen saugen und es mit Abscheu vor der freudigen Hingabe an das Vaterland bis in den Tod erfüllen«.

(Gerade dadurch allerdings wurde Lamszus’ Buch vorübergehend zum Verkaufserfolg.) Im März 1915 kam das Verbot. 1933 wurde Lamszus mit Schreibverbot belegt … das Andenken Gorch Focks dagegen von offiziellster Seite hochgehalten. ***)

Ich danke der taz-HH für die so literarhistorische wie aktuelle Nachhilfe!

*) Dazu Goltz 36: »Im Jahre 1909 war damit begonnen worden, die Fläche vor dem Norderdeich für Industrieansiedlungen aufzuspülen. Konnten die Fischer ihre Fahrzeuge vor dieser Zeit an den Deich heranfahren, also fast bis vor die eigene Haustür, so war jetzt höchstens noch ein Befahren der künstlich angelegten Kanäle möglich.«
**) S. dazu meinen Aufsatz »Das Regiment Sassenbach (1897 bis 1903). Lyrik aus der literarischen Werkstatt um Arno Holz«. – In TEXT+KRITIK 121, Januar 1994. S. 105–113. – S. dazu auch die kleine Auswahl aus den Gedichten der Arno Holz-Schule: Meiendorfer Internet-Miniatur Nr. 1.
***) [Nachträglich angemerkt]
Köhlers Illustrierter Flottenkalender von 1942 – inmitten schwerst aggressiver Seekriegspropaganda doch auch um Unterhaltung besorgt – bringt »schmunzelnd« den toten Helden auf Seite 115 unter:

Umstellrätsel.
(Auflösung im Anzeigenteil.)

Eiger – Pore – Eber – Lorch – Mehl – Eifel – Arno – Strich – Mark.

Jedes der vorstehenden Wörter ist durch Umstellen der einzelnen Buchstaben in ein Wort anderer Bedeutung zu verwandeln. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter ergeben, im Zusammenhang gelesen, den Namen eines deutschen Dichters, der in der Seeschlacht am Skagerrak den Heldentod starb.

Literatur:
Arno Holz = Arno Holz: Werke. Hg. von Wilhelm Emrich und Anita Holz. Neuwied, Berlin-Spandau: Luchterhand 1961.
Briefe = Da steht ein Mensch. Briefe von Gorch Fock an Aline Bußmann. Hg. von Hugo Sieker. Hamburg: Christians 1971.
Goltz = Reinhard Goltz: Die Sprache der Finkenwerder Fischer. Die Finkenwerder Hochseefischerei. Studien zur Entwicklung eines Fachwortschatzes. Herford: Koehler 1984.
Gorch Fock = Gorch Fock: Sämtliche Werke in fünf Bänden. Hg. von Jakob Kinau. 18.-22. Tsd. Hamburg: Glogau 1941.
Hebbel = Friedrich Hebbel: Werke. Hg. von Heinz Stolte. Hamburg: Blüchert 1963.
Schiff = Gorch Fock: Ein Schiff! Ein Schwert! Ein Segel! Kriegs- und Bordbuch des Dichters. Hg. und bearb. von Jakob Kinau und Marie Luise Droop. 11.-15. Tsd. München: J. F. Lehmann 1934.
Sin = Gorch Fock: Seefahrt ist not! 188.-192. Tsd. Hamburg: Glogau 1933.
Sterne = Gorch Fock: Sterne überm Meer. Tagebuchblätter und Gedichte. Hg. von Aline Bußmann. Hamburg: Glogau 1921.

Lithographie »Fliegender Holländer« von Oliver Böhm



Rechte bei den Meiendorfer Drucken


Link zur Initiave zur Erhaltung der Soziologie in Schleswig-Holstein