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Das Nachwort

Gepreßt

Ein kraftvoll schönes Wort der deutschen Sprachen
gebrauch’ ich, wenn ich hungrig werde und
ich stell’s mir vor, das knackig lange Rund.
Der Speichel rinnt mir dann im Mund zu Lachen.

Das   r s t   im Alphabetverband,
nur w und u die Reihenfolge brachen –
so kennt man es von Usedom bis Aachen,
ins Wort gepreßt, wie Hackfleisch ins Gewand.

Es reimt sich selten, doch ganz überzeugend
auf das, was wir so herrlich oft empfinden;
es bietet sich vor letzterem verbeugend
gleich an, daß wir die Wörter gut verbinden.

Es ist, gottlob, die knackig pralle Wurst;
hat man genug davon, dann kommt der Durst.

Matthias Koeppel

*
Meiendorfer Druck Nr. 56
(2006)

Matthias Koeppel, Klaus M. Rarisch & al.
Um die Wurst
Sonette zur Lage

Mit Einreden und Zwischenrufen von
Ernst-Jürgen Dreyer,
Herbert Laschet Toussaint = HEL,
Kurt Mejstrik, Eberhard Schmidt
und Robert Wohlleben

Nachwort von Robert Wohlleben

96 Seiten Oktav, fester Einband (350 Exemplare)
20 Euro

Matthias KoeppelMatthias Koeppel hat angefangen. Nachdem 2004 die Habseligkeiten als »Das schönste deutsche Wort« bestimmt waren, reichte er seinen Vorschlag nach: »Es ist, gottlob, die knackig pralle Wurst« … begründet in Sonettform. In unerschütterlicher Matter-of-factness hielt er sich damit an ein alltagstaugliches Realium und zugleich eine Charakterisierung des Deutschen, wie etwa gleichzeitig Loriot mit seinem Vorschlag Auslegeware, die »in Schlichtheit, Korrekheit, aber auch Großzügigkeit nicht übertroffen werden« könne.

Allerdings äußerte sich Koeppel in Standarddeutsch statt, wie von ihm gewohnt, in Starckdeutsch. Klaus M. Rarisch erwiderte mit einem Sonett, darauf wiederum Matthias Koeppel usw. usf., bis die Tenzone gut ein Jahr später 64 Sonette zählte. Hinzu kommen ein Prolog und als Coda das, was während der Entstehung von interessierter dritter Seite dazwischengedichtet wurde: von Ernst-Jürgen Dreyer, Herbert Laschet Toussaint (HEL), Kurt Mejstrik, Eberhard Schmidt und Robert Wohlleben. So sind alles in allem 80 Sonette versammelt.

Wohl stammt die Gedichtform aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, zur Sprache kommen hier aber ausgesprochene, wenn auch vielleicht bald schon halb bis ganz vergessene Aktualitäten: Aufregung um Dosenpfand und die Sozialreform Hartz IV, Papstwahl und Papstwort zum Zölibat, Mord am Exzentriker Rudolf Moshammer, die unscharfe Bundestagswahl vom 18. September 2005, die Social-Marketing-Kampagne »Du bist Deutschland« … hinein mischen sich Reflexionen hie zum Malen, hie zum Dichten.

Klaus M. Rarisch. Photo: Hans J. Eisel

 

Photo: Hans J, Eisel

Am dichterischen Hauptwerk von Klaus M. Rarisch, dem Band »Die Geigerzähler hören auf zu ticken« von 1990, beobachtete Ernst-Jürgen Dreyer sogleich »formale Meisterschaft« und »Reinheit von Reim und Metrum«. Die Sonettsammlung stelle »ein Kunstbuch dar, an dessen Exempeln sich die strenge Form studieren läßt und an dem sich anderes messen lassen muß«. Bereits 1979 hatte Hans-Jürgen Schlütter im Buch »Sonett« (erschienen bei Metzler) konstatiert, daß mit Rarisch die engagierte Sonettdichtung in der deutschen Nachkriegsliteratur einsetzt.

Die Tenzone »Um die Wurst« mit ihren »Sonetten zur Lage« bestätigt beide Feststellungen, und zwar auf ihre Weise: auf einem Überbrettl. Bei der Jonglage mit Verspottung, Scherz, Bitterkeit, Satire, Sottise, Ironie, Entlarvung und – doch! – auch tieferer Bedeutung ist zu merken: Das Spiel mit Klängen, Allusionen, Querbezügen, disparaten Sprachregistern, Redensartlichkeiten und immer ausgefeilteren Reimen erwächst aus konzentrierter Werkstattarbeit, zu der sich der erfahrene »Sonettist« Klaus M. Rarisch und der Starckdeutsch-Dichter Matthias Koeppel zusammengefunden haben.
 

Entstehungsprozeß mit Conférence:

Wursttenzone

 

Lobgesänge:

Hans J. Eisel
Walter Münz
Frank Wittmer (Allgemeine Zeitung, Mainz)

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Klaus M. Rarisch bei fulgura frango

   



 


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